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Ich bin Germanwings

Tino Seidel-Ernst

Mein Name ist Tino Seidel-Ernst, ich bin seit 8 Jahren bei Germanwings und fliege in Köln als Purser.

Nachdem ich 12 Jahre am Schreibtisch gesessen habe, brauchte ich eine Veränderung, ich wollte mit Menschen arbeiten und etwas Besonderes erleben und so bewarb mich bei Germanwings und was habe ich bekommen, die großartigsten Kollegen der Welt, wundervolle und wertvolle Begegnungen mit Passagieren und wie aus einem Beruf eine Berufung wurde.

Damals waren unsere Flieger noch silber und auf jedem Flughafen sofort erkennbar, dann gabs die neue Germanwings und all unsere Flieger wurden auf einmal weiß, wir wuchsen unglaublich schnell und waren auf einmal doppelt so groß und haben das Ziel wirtschaftlich zu werden schneller erreicht als gedach.

Dann passierte das Unfassbare, der Absturz der 4u9525, der viele geliebte Menschen und Kollegen in den Tod riss. Uns alle hat diese Tragödie in einen Schock versetzt, hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen und unsere kleine Fliegerwelt auf den Kopf gestellt. Ein Zurück zur Normalität war nicht denkbar. In dieser schweren Zeit haben wir Zusammengehalten, uns gegenseitig unterstützt und getragen von unserem Germanwingsspirit nach vorn zu schauen, was vielen meiner Kolleginnen und Kollegen, aber auch mir sehr viel abverlangt hat und uns bis heute begleitet.

Doch eh wir uns versahen stand auf unseren Fliegern nicht mehr Germanwings, sondern Eurowings, kurze Zeit später wanderte unserer geliebte Brombeeruniform in die Altkleidersammlung und obwohl unser Herz brombeere schlug trugen wir auf einmal blau…

Wir haben viele Herausforderungen hinter uns und was die Germanwings so besonders macht ist, dass wir alle Herausforderungen gemeinsam gemeistert haben, wir haben nie aufgegeben und versucht die Erwartungen zu 120% zu erfüllen. Die jetzige Krise ist schon schwer genug zu ertragen, leere Dienstpläne und unsere Flieger am Boden zu sehen trifft mich tief in mein Fliegerherz. Jetzt aber auch noch gesagt zu bekommen, dass wir die ersten sein sollen, die die Lufthansa in der Krise opfert, ohne ernsthafte Versuche Kurzarbeit umzusetzen und weitere notwendige Schritte gemeinsam zu erarbeiten macht mich traurig, wütend und fassungslos. Ist das der Dank dafür, dass wir uns all den Herausforderungen gestellt haben und sie gemeistert haben, ist das die Wertschätzung die uns zuteil wird, ist das der Umgang den wir als Mitarbeiter verdient haben? Anscheinend ja und das tut verdammt weh.

Ich habe Angst davor nie wieder meine Uniform aus dem Schrank zu holen, ich habe Angst davor nie wieder mit meinen Kollegen gemeinsam Herausforderungen zu meistern, zu lachen und zu weinen. Ich habe Angst davor nie wieder einem Passagier ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu können und einen Flug zu etwas besonderem zu machen. Ich habe Angst davor meinen Job zu verlieren, den ich über alles Liebe, Angst vor dem Weg zum Arbeitsamt und im schlimmsten Fall hab ich besonders Angst davor, dass erste Mal in meinem Leben einen Hartz IV Antrag ausfüllen zu müssen.

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