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Ich bin Germanwings

Hanna Weller

Guten Tag Herr Spohr,
ich möchte Ihnen von mir erzählen. Seit zwei Jahren bin Flugbegleiterin bei Germanwings an der Station Köln. Ich habe mitten im Chaos-Sommer 2018 angefangen und den Uniformwechsel im darauffolgenden November 2018 mitbekommen. Vor unserem Grounding am 25. März 2020 habe ich mehrere stark gebuchte Rückholflüge durchgeführt – dass es dabei schlichtweg unmöglich ist, einen Sicherheitsabstand zu wahren, und wir bei diesen Flügen allesamt unsere Gesundheit riskiert haben, muss ich Ihnen ja nicht erklären. 
Es ist nicht lange her, da habe ich noch um die Entfristung gebangt. Nach 2 Jahren Unsicherheit sollte ich endlich einen sicheren Arbeitsplatz bekommen, so dachte ich für kurze Zeit. Doch wir beide wissen, dass dieser Arbeitsplatz alles andere als sicher ist. Um ehrlich zu sein denke ich sogar, dass mein Arbeitsplatz in diesem Konzern NIE ein sicherer sein wird, so lange ich nicht bereit bin, meine Uniform gegen eine andere Farbe zu tauschen. 
Jetzt allerdings diese Zeit auszunutzen um ihr ungeliebtes Kind, uns als Germanwings, unter dem Decknamen von Corona loszuwerden, finde ich moralisch höchst fragwürdig und mehr als unangebracht. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Konzernumbauten. 
Im Raum stehen derzeit milliardenschwere finanzielle Hilfen, über die gesprochen wird. Groß wurde propagiert: #WeAreInThisTogether, #WeAreLufthansaGroup. 
Lufthansa sollte keine Staatshilfen bekommen dürfen, wenn gleichzeitig 1400 zuverlässige Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Um das Geld scheint es Ihnen dabei ja auch gar nicht zu gehen, wenn der Staat das Kurzarbeitergeld mit 60% bezuschusst.
Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und schauen Sie in die Augen Ihrer Mitarbeiter! Das sind die Mitarbeiter, über die wir hier sprechen! 
Hanna Weller, FB CGN

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