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Ich bin Germanwings

Bianca Wickert

Mein Name ist Bianca Wickert, ich bin in Hannover stationiert und arbeite seit 2014 als Flugbegleiterin für unsere schöne Germanwings.

Als ich damals anfing, war die Welt bei uns in Ordnung. Ich hatte mir meinen Kindheitstraum erfüllt und konnte endlich den Beruf ausüben, der mir am Herzen lag. Ich bekam zudem die tollsten Kollegen die man sich wünschen kann und sollte mit dem Lauf der Jahre noch feststellen, wie eng der Zusammenhalt zwischen uns ist, völlig egal, wo man gebased ist, unser aller Herz schlägt brombeer.

Leider war es in den vergangenen Jahren für uns nicht immer leicht. Der Absturz der 4U9525 im Jahre 2015 erschütterte uns alle sehr und die Rückkehr zur Normalität war eine große Herausforderung, die wir jedoch gemeistert haben. Wir haben unseren Gästen immer das Gefühl von Sicherheit vermitteln können und haben an vorderster Front dafür gekämpft, dass das Vertrauen unserer Passagiere wiederkehrt.

Im Anschluss daran sollte unsere eigentlich rentable Germanwings von der Bildfläche verschwinden und gegen die Eurowings getauscht werden. Ich werde nie vergessen, wie ich eines morgens auf den Flieger kam und auf unseren Plomben der verschlossenen Bordtrolleys und Boxen der Markenname „Germanwings“ einfach durchgestrichen war. In den folgenden Wochen wurde versucht nach und nach alles, was noch nach Germanwings aussah auszutauschen. Uns über das genaue Vorgehen zu informieren oder mit ins Boot zu holen hielt man hierbei für weniger notwendig. Wir nahmen alles hin, auch die Tatsache, dass wir unsere schöne brombeerfarbene Uniform gegen blau tauschen mussten. Die Aussage, dass es uns am Ende egal ist, was wir tragen und zur Not auch im Kartoffelsack zur Arbeit kommen, falls gewünscht und wir einfach nur unseren Job behalten möchten, war dabei nie gelogen.

Es folgten schwere Zeiten, Flugzeuge wurden aus Hannover und auch anderen Stationen abgezogen. Lange Aufenthalte in ganz Deutschland über Wochen folgten, da das Arbeiten von Zuhause nicht mehr möglich war. Privatleben blieb auf der Strecke, organisatorische Höchstleistung und Unterstützung von Familie und Freunden waren gefragt, die bei der Versorgung und Betreuung von Haustieren und halfen und mit mir litten.

In Hannover erst drei Maschinen, dann zwei, dann eine, dann keine mehr und eine TuiFLY, die das komplette Flugprogramm für uns übernahm. Dann doch wieder eine, aber am Ende doch wieder keine. Es war ein großes Durcheinander und keiner, der in dieser Situation steckt, kann nachempfinden wie man sich mit solchen Entscheidungen fühlt, bei dem niemand daran denkt, wie es dem Mitarbeiter ergeht, der nicht mehr abends Zuhause ist, der seiner Familie und seinen Freunden jedes Mal wieder „etwas völlig anderes“ zum aktuellen Stand erzählen muss und sowieso niemand mehr nachvollziehen kann, was da vor sich geht. Es ist schlimm, jedes Mal wieder Hoffnung aufflammen zu lassen, die am Ende ins Leere führt. Wir alle hielten die Füße still, glaubten an das gute Ende und daran, dass am Ende alles gut werden würde. Wir alle geben für diese Firma unser letztes Hemd.

Nun kam die nächste große Krise. Durch die aktuelle Situation haben wir aktuell kaum noch Arbeit, genauso wie alle anderen Airlines weltweit. Wir waren darauf eingestellt, nun nur noch Kurzarbeitergeld zu erhalten und haben gehofft, dass diese Zeit möglichst schnell vorbei geht. Die letzten Flüge die ich durchführte waren ganz besonders. Auch ich holte noch festsitzende Urlauber von den Kanaren oder beispielsweise Mallorca ab. Ich habe nie darüber nachgedacht, einen Dienst abzulehnen obwohl wir zweifelsohne eine große Ansteckungsgefahr gehabt haben, da es in einem Flugzeug schlichtweg nicht möglich war, den erforderlichen Abstand einzuhalten. Ich gebe für diese Firma mein letztes Hemd, immer.

Und dieses letzte Hemd scheint sich die Lufthansa nun tatsächlich nehmen zu wollen. Nachdem die Germanwings nun ausgepresst und unliebsam geworden ist, sieht die Lufthansa nun ihre große Chance unsere Germanwings nun möglichst unbürokratisch abzustoßen. Eine Lufthansa, ein Unternehmen was einen Gewinn in riesiger Höhe macht, möchte riesige Summen an Staatsgeldern haben und gleichzeitig uns dafür auf die Straße setzen, ohne einen Versuch zu starten alle Mitarbeiter des Konzerns im Boot zu behalten. Ich bin undendlich fassungslos und traurig über ein so unmenschliches Verhalten und kann in den letzten Tagen kaum mehr schlafen, da ich Angst habe, nie wieder meinen geliebten Job ausüben zu dürfen, arbeitslos zu sein, von heute auf morgen.

Ich hoffe, alle Beteiligten, die diese Entscheidung tragen sind sich darüber bewusst, was das für mehr als 1000 Mitarbeiter und ihre Angehörigen und Kinder bedeutet. Sie stoßen nicht nur Ihren treuen Mitarbeitern vor den Kopf, sondern jeder einzelnen Bezugsperson Ihrer Mitarbeiter, die die Lasten der letzten Jahre ebenso mitgetragen und ertragen haben! Ist dies der Dank für die letzten Jahre? Geht man so mit seinen Mitarbeitern um?

Ich bin dankbar für jeden meiner (Ex-)Kollegen und unseren Germanwings-Spirit und werde nicht kampflos das Feld räumen. Ich liebe meinen Job und möchte, dass jeder erfährt, was hier für ein mieses Spiel gespielt wird!

#unitedwestand

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